Dienstag, 30. Juni 2020  -  11:58

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Deutschland und Israel: Haltung zeigen, ohne zu drohen

Ohne Sanktionen will die Bundesregierung ihre Haltung zu den israelischen Annexionsplänen deutlich machen. Die Bundesregierung, ein erklärter Freund Israels, warnt vor den gefährlichen Folgen einer Annexion. Sanktionen gegen Israel will Berlin jedoch nicht verhängen. Andere EU-Staaten setzen sich allerdings genau dafür ein.

 Daniel Brössler, Berlin, und Alexandra Föderl-Schmid - 28. 6. 2020

Für den Moment, so klang es, konnte Heiko Maas zufrieden sein. Erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hatte der deutsche Außenminister die Europäische Union verlassen, um in Jerusalem die "ehrlichen und ernsthaften Sorgen als ganz besonderer Freund Israels" zum Ausdruck zu bringen über die möglichen Folgen einer Annexion von Teilen des Westjordanlandes.

"Ihre Sichtweise als die eines unserer engsten Freunde anzuhören und sie zu berücksichtigen, ist uns wichtig", versicherte ihm der neue israelische Außenminister Gabi Aschkenasi. >>>



Die Annexion ist illegal: UN-Menschenrechtschefin kritisiert die  israelische Regierung.
Julia Conley -  29. Juni 2020

Premierminister Benjamin Netanjahu plant, mit der Umsetzung des Annexionsplans am 1. Juli zu beginnen, trotz zunehmender internationaler Empörung.


Hunderte von Palästinensern, die Anti-Annexionsbanner und palästinensische Flaggen tragen, versammeln sich in Rafah, Gaza, um gegen den israelischen Annexionsplan für das Jordantal zu protestieren, das sich im besetzten Westjordanland befindet. Dies geschah am 27. Juni 2020 auf Aufruf des Überwachungsausschusses der Nationalen und Islamischen Kräfte in Gaza.

Michelle Bachelet, UN-Menschenrechtschefin - Die oberste Menschenrechtsbeauftragte der Vereinten Nationen schloss sich am Montag einem wachsenden Chor internationaler Führer und Rechtsverfechter an und forderte, dass Israel seinen Plan, große Teile des besetzten Westjordanlandes zu annektieren, rückgängig machen müsse. Sie bezeichnete den Vorschlag als "illegal" und als einen, der in der Region lang anhaltende "Schockwellen" auslösen werde.

"Die Annexion ist illegal. Punkt", sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, in einer Erklärung.

Die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu plant, am 1. Juli mit der Umsetzung ihres Plans zu beginnen, 30% des Westjordanlandes zu annektieren. Der Plan sieht die Beschlagnahme von Teilen des Jordantals vor, in dem etwa 65.000 Palästinenser leben, und würde die vollständige israelische Kontrolle über mehr als 200 jüdische Siedlungen in der Region ausweiten.

"Ich bin zutiefst besorgt, dass selbst die minimalistischste Form der Annexion zu vermehrter Gewalt und zum Verlust von Menschenleben führen würde, da Mauern errichtet, Sicherheitskräfte eingesetzt und die beiden Bevölkerungsgruppen einander näher gebracht werden.

Von Rechtsexperten und Menschenrechtsverfechtern als grober Verstoß gegen das Völkerrecht angeprangert, steht der Vorschlag im Einklang mit der Landkarte, die die Trump-Administration vorgelegt hatte, als sie im Januar veröffentlichte, was Kritiker als "keinen Friedensplan" für die Region bezeichneten.

Berichten zufolge haben die obersten nationalen Sicherheitsberater von Präsident Donald Trump Ende letzter Woche noch darüber entschieden, ob sie sich gegen die internationale Gemeinschaft stellen und den illegalen Plan unterstützen sollten; im vergangenen Monat sagte Außenminister Mike Pompeo: "Die israelische Regierung wird in dieser Angelegenheit entscheiden".

Bachelet betonte, dass selbst ein Plan zur Annexion weitaus weniger des Territoriums gegen das Völkerrecht verstoßen und wahrscheinlich "katastrophale" Folgen für die Rechte der Palästinenser und die gesamte Region haben würde.

"Jede Annexion, ob es sich nun um 30% oder 5% des Westjordanlandes handelt", sagte Bachelet, "ist illegal. "Ich bin zutiefst besorgt, dass selbst die minimalistischste Form der Annexion zu mehr Gewalt und Verlusten an Menschenleben führen würde, da Mauern errichtet, Sicherheitskräfte eingesetzt und die beiden Bevölkerungsgruppen einander näher gebracht werden.

Israelische Streitkräfte schränken bereits die Bewegungsfreiheit der Palästinenser ein, und Bachelet warnte, dass solche Rechtsverletzungen "mit ziemlicher Sicherheit erheblich zunehmen würden, wenn palästinensische Bevölkerungszentren zu Enklaven werden".

Palästinenser, die in den Enklaven leben, würden wahrscheinlich "größere Schwierigkeiten beim Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Bildung und [Gesundheitsversorgung] haben, und auch der Zugang für humanitäre Hilfe könnte behindert werden", während "gewaltsame Umsiedlungen" ein großes Risiko für palästinensische Familien darstellen würden, so Bachelet.

Anfang dieses Monats verglichen 47 hochrangige Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen die Annexion mit einem "palästinensischen Bantustan" und bezogen sich dabei auf das Gebiet, in dem schwarze Südafrikaner während der Apartheid in diesem Land leben mussten.

Bachelet wies darauf hin, dass eine Reihe israelischer Experten, die früher in den militärischen, diplomatischen und Geheimdiensten des Landes tätig waren, davor gewarnt haben, dass eine einseitige Annexion ein ernstes Risiko für die Sicherheit im Nahen Osten darstellen würde.

"Ich fordere Israel dringend auf, auf seine eigenen ehemaligen hohen Beamten und Generäle sowie auf die vielen Stimmen in der ganzen Welt zu hören, die es davor warnen, diesen gefährlichen Weg weiterzugehen", sagte Bachelet.

Zu den anderen Gruppen, die sich kürzlich energisch gegen den Annexionsplan ausgesprochen haben, gehören Oxfam, Refugees International und die Allianz für den Frieden im Nahen Osten sowie 250 südafrikanische Führer. Letzte Woche sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres, dass die Annexion "eine äußerst schwerwiegende Verletzung des Völkerrechts darstellen, die Aussicht auf eine Zweistaatenlösung ernsthaft beeinträchtigen und die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme der Verhandlungen untergraben würde".     Quelle


Völkerrecht: Auf Sand gebaut


Laut einer verpflichtenden Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen sind die Siedlungen der Israelis illegal. Die Vereinigten Staaten und der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sehen das jedoch völlig anders.
 Alexandra Föderl-Schmid - 28. 6. 2020

UN-Generalsekretär António Guterres warnte vergangene Woche vor einer Annexion von Teilen des von Israel besetzten Westjordanlandes: "Im Falle einer Umsetzung würde die Annexion einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht darstellen, die Aussicht auf eine Zwei-Staaten-Lösung erheblich beeinträchtigen und die Möglichkeit neuer Verhandlungen untergraben", sagte Guterres vor dem Sicherheitsrat. Der UN-Chef forderte die israelische Regierung auf, ihre Pläne aufzugeben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kann laut dem Koalitionsvertrag der israelischen Regierungsparteien ab 1. Juli Schritte zur Umsetzung einleiten. Grundlage ist der Nahostplan von US-Präsident Donald Trump, der eine Annexion des Jordantals und der Gebiete, auf denen Siedlungen stehen, vorsieht - das sind rund 30 Prozent des Westjordanlandes.

Die EU-Staaten stufen den Bau von Siedlungen im Westjordanland als Verstoß gegen internationales Recht ein. Trumps Regierung ist anderer Ansicht: Außenminister Mike Pompeo erklärte im November 2019, der Siedlungsbau sei "nicht per se unvereinbar mit internationalem Recht".
450 000 Israelis leben inzwischen im Westjordanland und in Ostjerusalem

Dabei wurde auch mit der Stimme des US-Vertreters am 23. Dezember 2016 die Resolution 2334 des Sicherheitsrates beschlossen, die völkerrechtlich verpflichtend ist. Darin fordert der Rat von Israel, auf Maßnahmen zu verzichten, "die darauf abzielen, die demografische Zusammensetzung, den Charakter und den Status des seit 1967 besetzten palästinensischen Gebiets, einschließlich Ost-Jerusalems, zu ändern". Dann wird aufgelistet, was gemeint ist: "Der Bau und die Ausweitung von Siedlungen, die Überführung israelischer Siedler, die Beschlagnahme von Land, die Zerstörung von Wohnhäusern und die Vertreibung palästinensischer Zivilpersonen." Gemäß dem Völkerrecht sind alle 130 Siedlungen illegal. Inzwischen leben rund 450 000 Israelis im Westjordanland und in Ostjerusalem. Im Gazastreifen wurden 2005 unter Premier Ariel Scharon alle 21 Siedlungen geräumt. Israel hat bisher zwischen legalen und illegalen Siedlungen  >>>

Israel: Was Siedler von Trumps Plan halten
Über Trumps Nahostplan sind sich die Siedler uneinig: Für die einen ist er eine historische Chance - den anderen geht er viel zu weit.

Alexandra Föderl-Schmid - 29. Juni 2020,
 

Eines haben der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und der Vorsitzende der israelischen Siedlerorganisation Jescha, David Elhajani, gemeinsam: Sie sind der Meinung, dass der Nahostplan von US-Präsident Donald Trump in den Mistkübel gehört.

Während Abbas nach der Präsentation des Plans im Januar davon sprach, dieser werde "im Mülleimer der Geschichte landen", wendet sich der Siedlervertreter direkt an den US-Präsidenten. "Wir sagen Trump: Nimm diesen Plan und schmeiß ihn in den Mistkübel!" Seit 1967, als Israel unter anderem das Westjordanland und Ostjerusalem im Sechstagekrieg erobert hat, sei es das Ziel von ihm und Gleichgesinnten gewesen, Israels Souveränität auf diese Gebiete auszudehnen. "Aber wenn der Preis dafür ist, dass auf 70 Prozent des Westjordanlandes ein palästinensischer Staat entstehen kann, dann sagen wir: nein, danke!"

Die israelische Siedlung Itamar könnte zur Enklave in einem Palästinenser­staat werden. Der palästinensische Ort Fasail würde auf israelischem Gebiet liegen. Der Widerstand auf beiden Seiten ist groß.   Von Alexandra Föderl-Schmid, Itamar/Fasail

Wenn Elhajani aus seinem Büro nahe seiner Siedlung Argaman hinausschaut, dann blickt er auf das Jordan-Tal. Laut den Plänen des US-Präsidenten könnte dieses Gebiet bis zum Jordan-Fluss genauso wie 117 Siedlungen annektiert werden - fast ein Drittel des Westjordanlandes. Gemäß Koalitionsvertrag kann der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vom 1. Juli an auf Basis des US-Plans mit der Annexion beginnen.

Diesen Teil findet Elhajani gut, aber nicht den anderen: Mehrfach wird in dem Plan die Möglichkeit der Schaffung eines palästinensischen Staates angesprochen - wenn auch nach Verhandlungen und frühestens in vier Jahren. Elhajani lehnt den Plan deshalb ab und sieht die Mehrheit der 25 Bürgermeister von Siedlungen im Westjordanland, die im Jescha-Rat versammelt sind, hinter sich.  >>>

Wenn die Darstellung des Zionismus als Hintergrund für Israels Politik zum Problem wird

Muriel Asseburgs und Jan Busses Buch über den Nahostkonflikt weist beträchtliche Lücken auf


Arn Strohmeyer - 28.6.2020

Asseburg, Muriel/ Busse, Jan:
Der Nahost-Konflikt
Geschichte, Positionen, Perspektiven,
Reihe Wissen C.H.Beck-Verlag München, aktualisierte Neuauflage 2020,
ISBN 978 3 406 743 160, 9,95 Euro

Wenn deutsche Wissenschaftler eine Geschichte des Nahostkonflikts schreiben, dann besteht immer die Gefahr, dass die Darstellung zu sehr der israelischen Sichtweise folgt und der Blick auf die arabische Seite zu kurz kommt. Dieser Gefahr sind die beiden Verfasser des Buches „Der Nahostkonflikt. Geschichte, Positionen, Perspektiven“ Muriel Asseburg (Stiftung Wissenschaft und Politik) und Jan Busse (Universität der Bundeswehr München) erlegen, auch wenn man ihr Bemühen um Objektivität durchaus spürt. Ist es die Angst vor dem Antisemitismus-Vorwurf, die sie doch immer wieder im Sinne Israels argumentieren lässt?

Da ist zum Beispiel durchgehend von den „zwei Seiten“ oder „zwei Parteien“ des Konflikts die Rede. Die riesige Asymmetrie zwischen Kolonisator und Kolonisierten, Besatzer und Besetzten, Unterdrücker und Unterdrückten wird zu wenig herausgearbeitet, erst auf der vorletzten Seite des Buches kommen die Worte „Machtungleichgewicht“ bzw. israelische „Dominanz“ vor, im selben Zusammenhang ist dann aber doch wieder von den „zwei Seiten“ die Rede, deren „Entfremdung“ inzwischen so groß sei, dass eine Annäherung in Richtung Frieden fast ausgeschlossen sei.

Nun sind es aber nicht nur „Entfremdung“ oder „Misstrauen“, die einen gerechte Ausgleich zwischen Israel und den Palästinensern verhindern, sondern ganz grundlegend auch die Vorgaben der zionistischen Ideologie, an die Israel sich in seiner Politik gegenüber den Palästinensern getreulich hält. Zwar gehen die Autoren kurz auf den Zionismus ein, arbeiten aber nicht das Wesen dieser Ideologie heraus. Die israelische Historikerin Tamar Amar-Dahl nennt die Dinge beim Namen und sieht den Kern dieser Ideologie in der Maxime von der obersten Priorität militärischer Überlegenheit, was bedeutet, dass die Sicherheit des Staates und seine Nationalstaatlichkeit nur durch Gewalt (und das heißt: permanenten Krieg, der durchaus positiv konnotiert wird) erhalten werden kann.


Vor diesem Hintergrund – so Tamar-Dahl – erscheint der Konflikt mit den Arabern und den Palästinensern im Besonderen als eine gegebene unveränderliche Tatsache, weil die Feindschaft der „neuen Gojim“ gegenüber den „Juden“ als jenseits historischer Entwicklungen verstanden wird. Die arabische Ablehnung der Existenz Israels wird nicht als Reaktion der Araber auf die Politik der Zionisten verstanden, sondern wird in eine Reihe mit den jüdischen Gewalterfahrungen in Europa gestellt.


Tamar Amar Dahl schreibt: „Der politischen Ordnung des zionistischen Israel liegen im Endeffekt zwei Gründungsmythen zu Grunde: Der Mythos von ‚Eretz Israel‘ [Groß-Israel] als Land des jüdischen Volkes und der Sicherheitsmythos. Diese beiden bilden den Kern für die Palästina-Frage, damit die Kernfrage des historisch gewachsenen Nahost-Konflikts. Beide Mythen stehen einer politischen Regelung des Konflikts mit den ‚Arabern von Eretz Israel‘ im Wege. Denn Israels Beharren auf dem Mythos, ‚Eretz Israel‘ sei das Land des jüdischen Volkes, bedeutet gleichzeitig, dass es das Selbstbestimmungsrecht des auf eben diesem Territorium lebenden Palästinenser nicht anerkennen kann. Deshalb kann es auch keinen palästinensischen Staat in Teilen des Landes entstehen lassen. (…) Da das zionistische Israel weder das Land teilen kann/will noch im binationalen Staat eine wirkliche Option sieht, bleibt der Status quo der ‚Araber von Eretz Israel‘ als ‚outgroup‘, letztlich als verdrängte Feinde des zionistischen Israel, bestehen.“


Weil eine solche Sicht auf den Zionismus fehlt, geraten Asseburg und Busse bei der Darstellung der Geschichte Israels immer wieder ins ideologische Fahrwasser der offiziellen israelischen Darstellung, die dann zumeist mehr mit der Propaganda dieses Staates als mit den realen historischen Fakten zu tun hat. So leugnen die Autoren zwar nicht die Nakba, sehen sie aber als Begleiterscheinung oder Folgeerscheinung des „Unabhängigkeitskrieges“ von 1948 an. Eine These, die die „neuen“ israelischen Historiker längst widerlegt haben – besonders Ilan Pappe mit seinem Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“, das die Autoren in ihrem Literaturverzeichnis auch angeben, aber offensichtlich inhaltlich nicht berücksichtigt haben.
Pappe hat belegt, dass die zionistischen Truppen und Milizen sehr bald nach dem UNO-Teilungsbeschluss >>>

 

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Israel:Netanjahu verteidigt sich
29. Juni 2020

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat seinen Antrag auf Steuerbefreiung als "gerechtfertigt" verteidigt. Nur der Zeitpunkt sei "etwas ungünstig", sagte er mit Blick auf die ökonomischen Folgen der Corona-Krise. Auch andere Premierminister hätten diese Regelung in Anspruch genommen, es könne nicht "ein Gesetz für Netanjahu" geben, schrieb er auf Twitter. Seine Vorgänger Ehud Barak und Ehud Olmert erklären dagegen, keine solche Regelung und keine Kostenerstattung für Privatunterkünfte in Anspruch genommen zu haben. Laut Experten ist Netanjahu nun de facto von allen Steuerzahlungen befreit mit Ausnahme seines Gehalts; der Staat übernimmt außerdem beträchtliche Ausgaben. Der Betrag ist laut israelischen Medienberichten höher als angenommen: Durch die Neuregelung soll Netanjahu im Ausmaß von 270 000 Dollar profitieren.  >>>

Das Bild zeigt israelische Bulldozer, die auf einer nur für Siedler bestimmten Straße im besetzten Westjordanland arbeiten.

 

Israel beginnt mit dem Bau einer Straße, die Siedlungen miteinander verbindet, und isoliert eine palästinensische Stadt im Westjordanland
22. Juni 2020

Israel hat mit dem Bau einer neuen Straße für seine Siedler in den südlichen Teilen des besetzten Westjordanlandes auf Kosten der Isolierung einer palästinensischen Stadt begonnen, heißt es in einem Bericht.

Der Bau der neuen Straße habe am Sonntag am Rande der Stadt Nahalin westlich von Bethlehem begonnen, berichtete das Palästinensische Informationszentrum am Montag unter Berufung auf lokale Aktivisten.

Die von Soldaten bewachte Bautruppe stürmte das Gebiet Ein Fares mit Bulldozern und planierte dabei Landstriche.

Nach der Fertigstellung werde die Straße die Siedlungen Beitar Illit und Gush Etzion, eine Ansammlung von Siedlungen, verbinden, hieß es weiter.

Dem Bericht zufolge würde die neue Straße fast 1.000 Hektar Land in palästinensischem Besitz in der Stadt praktisch von ihrer Umgebung abschneiden.

Am Mittwoch haben israelische Siedler mit Bulldozern viele Hektar palästinensisches Land in der Stadt Qusra südlich von Nablus im besetzten Westjordanland verwüstet.

Ziel der Aktion war der Bau der "Amerikanischen Straße", einer acht Kilometer langen Umgehungsstraße, die insbesondere den Außenposten Esch Kodesh mit der Siedlung Migdalim verbinden sollte.

Aus einem Exklusivbericht von Reuters vom 15. Juni ging hervor, dass der zentrale und der südliche Abschnitt der "Amerikanischen Straße" bereits im Bau befindlich waren und dass gegen Ende des Jahres Angebote für den nördlichsten Teil der Straße mit geschätzten Kosten von 187 Millionen Dollar abgegeben werden würden.

Das gesamte Projekt werde voraussichtlich mehr als eine Viertelmilliarde Dollar kosten, hieß es weiter.

Das israelische Regime behauptet, die umstrittene Straße werde die Verkehrsüberlastung sowohl für israelische Siedler als auch für die in der Region lebenden Palästinenser verringern.

Die Palästinenser sagen jedoch, die neue Straße werde in erster Linie israelischen Siedlern zugute kommen und die Machbarkeit von Ostjerusalem al-Quds als Hauptstadt ihres künftigen Staates, den sie im Westjordanland und im blockierten Gazastreifen anstreben, weiter untergraben.

Fast 270 israelische Siedler haben bei der jüngsten Provokation durch das israelische Regime die al-Aqsa-Moschee im besetzten Jerusalem al-Quds gestürmt.

Israelische Streitkräfte und Siedler stürmen die al-Aqsa-Moschee
- Am Sonntagabend drangen israelische Soldaten in das Gelände der al-Aqsa-Moschee in der besetzten Altstadt von Ostjerusalem al-Quds ein, schlossen das Asbat-Tor (Löwentor) der Moschee und zwangen palästinensische Bürger, den al-Ghazali-Platz vor dem heiligen Ort zu verlassen, um einen von zahlreichen Siedlern inszenierten Marsch zu sichern.

Das Palästinensische Informationszentrum berichtete unter Berufung auf lokale Quellen, dass während des Marsches eine große Anzahl israelischer Streitkräfte in dem Gebiet stationiert war.

Hardlinige israelische Gesetzgeber und extremistische Siedler stürmen das Moscheegelände regelmäßig.

Das Gelände befindet sich direkt über dem Westwallplatz und beherbergt sowohl den Felsendom als auch die al-Aqsa-Moschee.

Jüdische Besuche der al-Aqsa-Moschee sind erlaubt, aber laut einer zwischen Israel und Jordanien, dem Verwalter der heiligen Stätten auf dem Gelände, unterzeichneten Vereinbarung ist die nichtmuslimische Religionsausübung auf dem Gelände verboten. Das israelische Regime besetzte Ostjerusalem al-Quds 1967.

Jordanien unterbindet die provokativen Grabungs- und Bauarbeiten Israels an der Westmauer der al-Aqsa-Moschee.

Viele der Knessetmitglieder sind Rechtsextremisten, die den Abriss der islamischen Stätte unterstützen, um stattdessen einen jüdischen Tempel zu bauen.

Der Bericht fügte hinzu, dass israelische Polizeikräfte zuvor auch eine der Wachen der al-Aqsa-Moschee und fünf palästinensische Mädchen physisch angegriffen hatten, als sie in der Bab al-Rahma-Gebetshalle der Moschee beteten.

Es hieß auch, die palästinensischen Mädchen seien von der israelischen Polizei verhaftet und mehrere Stunden lang festgehalten worden, bevor sie freigelassen wurden. Sie erhielten auch den schriftlichen Befehl, ihnen bis auf weiteres den Zutritt zu der heiligen Stätte zu verbieten.     Quelle

Im Namen der Thora
 29. Juni 2020 - Eurich Lobenstein

http://der-semit.de/wp-content/uploads/2020/06/Rabkin_Im-Namen-der-Thora.jpgDer 403 Seiten lange Text ist ungewöhnlich spannend zu lesen, nicht zuletzt deswegen, weil er von Abraham Melzer, einem zweisprachigen Verleger für hebräische wie deutsche Geistesprodukte und Kenner der ganzen problematischen Materie, übersetzt worden ist. Problematisch warum? Der Text strotzt förmlich von Informationen, die dem normalen Sterblichen nicht nur in den Zusammenhängen nicht bewußt, sondern weitgehend unbekannt waren, die sich aber trotzdem aus viel zu wenig Details vollständige Überzeugungen geschaffen haben. Nach der Lektüre wird man manches anders sehen können. 3 Seiten „Danksagung“ an all diese, die dem Autor halfen, die Widersprüche und Zusammenhänge der verschiedenen jüdischen Bestrebungen zu erfassen und diese selbst zu begreifen, schließen sich an. Und der Autor hilft den Lesern, durch ein Lexikon der Fachausdrücke, durch „biographische Notizen“ und mittels einer Bibliographie eine grobe Orientierung im Dschungel der endlosen Varianten jüdischen Lebens in Europa, dem Mittelmeerraum und der Welt behalten zu können. Hand auf´s Herz: wer hat „die Bibel“ je in toto gelesen? Aber was aus dem christlichen Religionsunterricht herüberkam, reicht den meisten, sich ein Bild vom ganzen Judentum zu machen. In der Fülle des Stoffes trifft man zur Erleichterung der Orientierung auch auf Nachweise, die man anderswo und anderweitig schon mal vernommen hat und ist dadurch versichert, auf dem richtigen Weg des Verstehens zu sein.

Zum Beispiel, daß die säkulare jüdisch-amerikanische Gesellschaft deswegen hoffnungslos pro-israelisch eingestellt sei, weil sie selbst „das Joch der Thora“ abgeschüttelt habe und nun ihr profanes Judentum durch einen unreflektierten Pro-Israelismus belegen kann. Dem steht ein Fall wie Jonathan Pollard nicht entgegen, was den unbefangenen deutschen Leser wiederum staunen läßt; das sind Namen, die in Deutschland tabu sind. Die jüdische See ist rauher und stürmischer, als der deutsche Leser glaubt, der sich auch nicht vorstellen kann, wie schwierig das jüdische Schiffchen zwischen Scilla- und Charybdis-Felsenketten entlang steuert. Und eigentlich steuert es ohne Steuermann und ohne Kapitän. Rabkin beschreibt diese wechselnden Wetterlagen sehr anschaulich. Vielleicht folgen heute viele Juden dem Beispiel des Odysseus und haben sich an einer Art ideologischen Mast anbinden lassen, um keine Entscheidungen zwischen Thora und Zion treffen zu müssen, während sie zuvor die Ohren ihrer Gefährten mit den Zeitschriften ihrer Meinungsführer verstopfen ließen, um irgendwie in der Hauptströmung zu schippern. Insoweit wird das Buch unter Juden kaum Meinungen ändern, aber vielen helfen, die eigenen gedanklichen Überzeugungen besser zu organisieren. Als Lexikon, Kompendium, Abriß und gleichzeitig trotz aller Sachlichkeit spannend zu sein, damit hat der Autor eine großartige Leistung erbracht, die er dem   >>>


 

 

„Der Zionismus untergräbt die Werte des Judentums“ - Der kanadisch-jüdische Historiker Yakov M. Rabkin hat ein faszinierendes Buch über die jüdische Opposition gegen den Zionismus geschrieben - Arn Strohmeyer

Judentum, Antisemitismus und Israel sind Themen, die die politische Diskussion in Deutschland ganz maßgeblich beherrschen. Aber wissen die Vertreter von Politik, Medien und interessierter Öffentlichkeit, die diese Diskussion lautstark führen, auch wirklich über diese Begriffe und die dahinter stehenden Realitäten Bescheid? Da muss man große Zweifel anmelden, zumal das deutsche Schuldbewusstsein das Verständnis dieser Problematik ganz einseitig positiv auf Israel konzentriert und jede Kritik an der Politik dieses Staates gegenüber den Palästinensern als „Antisemitismus“ diffamiert. Zur Durchführung dieser inquisitorischen Aufgabe hat die deutsche Regierung sogar das Amt eines Aufpassers geschaffen, der darüber wacht, dass diese Doktrin auch eingehalten wird – das Amt des Antisemitismusbeauftragten.


Es ist deshalb von großer Bedeutung, wenn jüdische Intellektuelle von Rang in diese Diskussion eingreifen und den oft ans Absurde grenzenden deutschen Diskurs wieder ins richtige Lot bringen und an die politische und historische Realität anpassen. Das leistet in ganz vorzüglicher Weise das jetzt endlich von Abi Melzer aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzte Buch des im kanadischen Montreal lebenden Historikers Yakov M. Rabkin: „Im Namen der Thora. Die jüdische Opposition gegen den Zionismus“. (Da Rabkin den Text inzwischen nochmals überarbeitet hat, ist die Übersetzung von Abi Melzer auf dem letzten aktuellen Stand.) >>>

 

 



Im Namen der Thora. Widerstand gegen den Zionismus - Ludwig Watzal - Professor Jakov M. Rabins Buch „A Threat from within. A Century of Jewish Opposition to Zionism“ erschien zuerst 2004 auf Französisch und 2006 in englischer Übersetzung, Seitdem ist es in 14 Sprachen übersetzt worden. Merkwürdigerweise aber nicht ins Deutsche. Aufgrund der Angst und der historischen Befangenheit der Deutschen, die Wahrheit über die zionistisch-rassistische Ideologie und Israel zu erfahren, ist dies nicht verwunderlich.

Das Damoklesschwert des Antisemitismus schwebt über jedem in Deutschland, der es wagt, die Politik des Besatzerstaates und dessen rassistische zionistische Ideologie zu kritisieren. Die wichtigste Opposition gegen den Zionismus kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Judentum, und dies gilt auch noch heute. Wirklich gläubige Juden halten diesen Staat für eine „Gotteslästerung“. Er erste Zionismus-Kongress 1897 musste von München nach Basel umziehen, weil es erheblichen Widerstand von Seiten der Rabbiner gab.

Dies ist ein außergewöhnlichste Buch und überaus wichtiges Buch. Das Unterfangen des Autors ist überaus mutig, weil er den Zionismus und dessen Ideologie frontal angreift und zeigt, welches die größte Gefahr für den Fortbestand des jüdischen Nationalismus‘ darstellt, nämlich das wirkliche Judentum. Die Ausführungen zeigen, dass Zionismus wenig bis gar nichts mit Judentum zu tun hat. Das Judentum steht für ein völlig anderes Wertesystem als der Zionismus.  >>>

 

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